Integration auf dem Acker

Flüchtlinge und Einheimische bauen in Wiegboldsbur gemeinsam Gemüse an und lernen sich dabei besser kennen

 

 

 

Bohnen, Kartoffeln, Erbsen, Salate und andere Gemüsesorten sprießen aus dem Acker am Balkweg in Wiegboldsbur. Dabei hätten die Flüchtlinge aus der Unterkunft in der nahe gelegenen Alten Landwirtschaftsschule viel lieber Reis angebaut, wie Woldenhof-Geschäftsführer Roland Morfeld bei einem Pressegespräch sagte. Unter Leitung der Woldenhof-Mitarbeiter bewirtschaften die jungen Männer aus dem Sudan, Eritrea und Elfenbeinküste den Acker.
Enstanden sei die Idee nach dem Kennenlerntreffen, dass die Wiegboldsburer Dorfgemeinschaft  Ende vergangenen Jahres organisiert hatte. Seinerzeit habe er feststellen müssen, dass andere Vereine und Organisationen sich schon viel mehr Gedanken zur Einbindung von Flüchtlingen in ihre Arbeit gemacht hatten, als das Woldenhof-Team, so Morfeld.
Der Zufall wollte es, dass dem Woldenhof kurz zuvor der Acker am Balkweg zur Verfügung gestellt wurde. Ziel war es, dort einen Nutzgarten mit verschiedenen Gemüsesorten entstehen zu lassen.
Unter Anleitung von Tatjana Arlt und mit Unterstützung der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer Christian Klaassen und Gerd Gerdes ging es Anfang Mai los. Auf dem etwa 1250 Quadratmetern wurden Kartoffeln gepflanzt. Unterstützt wurden Flüchtlinge und Nabu-Team dabei von Wiegboldsburs Ortsvorsteher Jann Peters. Er wohnt direkt gegenüber und verfügt zudem über hilfreiche Maschinen. Nach den Kartoffeln kamen später auf rund 525 Quadratmetern die anderen Gemüsesorten hinzu.
Doch auch die Zeit vor dem ersten Tag auf dem Acker nutzte das Team sinnvoll. Ein ausgedienter Bauwagen, der bis vor einiger Zeit vom Naturkindergarten am Großen Meer genutzt wurde, wurde von den  Flüchtlingen wieder aufgemöbelt. Hilfe bekamen sie dabei von Christian Klaassen und Gerd Gerdes, die sich in der Fahrrad- und Holzwerkstatt der Flüchtlingsunterkunft ehrenamtlich engagieren. Mittlerweile steht der Bauwagen am Rand des Ackers und dient als Wetterschutz und Geräteschuppen. Ortsvorsteher Jann Peters ist von der Aktion begeistert. Ihn freut vor allem das große Interesse, mit dem die Flüchtlinge bei der Sache sind. Fast täglich beobachtet er Bewohner der Unterkunft, die auf dem Acker nach dem Rechten sehen, die Pflanzen wässern und sich am Fortschritt auf dem Feld erfreuen.
Roland Morfeld kündigte unterdessen an, dass das Projekt keine Eintagsfliege sein soll. Ziel ist, die Ackerfläche langfristig für den Anbau von Gemüse zu nutzen. Nach der Ernte sollen die Erträge für Kochveranstaltungen auf dem Woldenhof genutzt werden – zusammen mit den Flüchtlingen.
Darüber hinaus will das Woldenhof-Team auch die Schulklassen, die regelmäßig auf dem Schulbauernhof zu Gast sind, in die Arbeit auf dem Feld einbinden.
Noch einen Schritt weiter geht Tatjana Arlt. Sie wünscht sich langfristig einen offenen Garten. Einwohner des Dorfes könnten sich beteiligen, Gemüse anbauen und alte Sorten erhalten. Der Anbau einer alten Grünkohlsorte ist nach ihren Worten bereits geplant. In Zusammenarbeit mit dem Verein „Dreschflegel“ sollen die „Ostfriesische Palmen“ auf dem Acker angebaut werden.
Für die Finanzierung des gesamten Projekts ist es dem Woldenhof-Team gelungen, eine Förderung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu bekommen. Für bis zu 7250 Euro könne man Saatgut und Gerätschaften kaufen, wie Roland Morfeld den ON sagte. Das Geld stammt aus dem Programm „500 Land-Initiativen“.

 

Quelle: ON vom 08.06.2017, Seite 9
                Verfasser: Holger Jansen